Das Motto der diesjährigen Countrynight in Gstaad lautet „Total Country!“ und genau dieses Motto zieht sich durch die gesamte Veranstaltung, welche heuer zum 36sten mal stattfindet. Mit dem Line-up der Countrynight kann man das nur noch unterstreichen.
Florian Fox
Gleich der erste Act ist schon ein Wiederholungstäter. Bereits 2023 betrat der schweizer Florian Fox schon die Bühne im Galazelt. Schon vor zwei Jahren hat er das Publikum von sich mit seiner sympathischen Art und seiner großartigen Musik überzeugen können. Florian moderiert in schweizerdeutsch und stellt fest, dass sie ja beim letzten Auftritt in Gstaad ja alle noch „kleine Buben“ waren. Mit seinem ersten Song „Swiss Guy“ stellt er sich musikalisch vor und legt auch schon mal die musikalische Ausrichtung dar. Es klingt wie eine geniale Mischung aus etwas BR5-49, eine Prise Rockabilly, feingewürzt mit der Stimme von Florian Fox. Das Publikum honoriert es und klatscht viel Beifall. Den Titel „I got a problem“ kennen wir auch von Drake Milligan. Florian Fox macht daraus seine eigene wundervolle Version. Als musikalischen Gast bittet Fox einen Freund von sich auf die Bühne. Dieser war kurz vorher noch am Flughafen verhaftet worden, weil er einen „gefährlichen Gegenstand“ mit sich führte, was sich dann als eine Dose Rasierschaum herausstellte. Der aus Baton Rouge, Louisiana angereiste Will Wesley hat es aber dann doch auf die Bühne geschafft. Zusammen performen sie einige Songs, auf das von Florian Fox geschrieben „Wasted again“ wird von den beiden grandios intoniert. Bei „On Fire“ erstrahlt das Galazelt im Lichte der Handylampen und zum Ende seines Sets erklingt mit „Georgia“ ein Countrysong wie aus dem Lehrbuch und leider ist das auch sein Schlusstitel seines 45minütigem Sets im Galazelt. Es ist aber noch Zeit für eine Zugabe, somit wird kurzerhand ein Titel seines Idols Johnny Cash präsentiert und mit „Ring of fire“ ist dann auch dieses Set beendet. Natürlich gibt es noch standing ovations für Florian Fox und seine Band, welche erneut überzeugt und großartig abgeliefert haben.
Hailey Whitters

Nach einer kurzen Pause ist Zeit für den nächsten Act des Abends. Die 36jährige Hailey Whitters kommt aus dem kleinen Ort Shueyville, Ohio in die Schweiz gereist. Ihre Band ist bewaffnet mit Fiddle und Pedal Steel Guitar. „Total Country!“ ist auf der Bühne allgegenwärtig. Hailey eröffnet ihr Set mit „High on the hog“ und stimmt damit schon mal das Publikum auf die kommenden knapp 50 Minuten ein. Musikalisch und stimmlich erinnert sie ein wenig an Miranda Lambert, die auch schon 2023 auf dieser Bühne stand. Souverän und charmant zieht Hailey Whitters das Publikum in ihren Bann. Sie setzt auf Storytelling in ihren Songs und nicht selten schreibt sie über eigene Erlebnisse. Auch erzählt sie viel aus ihrem eigenen Leben und ihre Anstrengung, in der Szene Fuß zu fassen. Musikalisch beeinflusst wurde sie viel von Trisha Yearwood. Bei dem Titel „How far with the boy“ lässt Hailey ein Stück des Trisha-Titels „She’s in love with the boy” einfließen und honoriert somit ihr Idol. Hailey erzählt, dass sie zuhause auf einer Farm inmitten von Maisfeldern aufgewachsen ist. Somit liegt es auch nahe, dass ihr neuer Albumtitel „Corn Queen“ lautet. Mit einem Hinweis auf ihr Bäuchlein verrät sie verschmitzt, dass der „Corn Prince“ auch schon unterwegs ist. Eins ihrer Highlights war der Anruf von Ronnie Dunn (Brooks & Dunn), ob sie nicht auf deren neuen Platte „Reboot“ mitwirken wolle. Natürlich hat sie zugesagt und zusammen mit Kix und Ronnie eine großartige Version von „She’s not the cheatin kind“ eingesungen. Gut, in Gstaad muss sie den Titel leider ohne Brooks & Dunn performen. Für Heiterkeit sorgt auch ihre Anmoderation zu „Shotgun wedding baby“, da sie selbst ja ein „One-night stand, shotgun weddin‘ baby“ ist. Mittlerweile sind ihre Eltern aber verheiratet und sie ist das älteste von sechs Geschwistern. Der Titel „Everything she ain’t“ stellt das Ende ihres Sets dar. Nicht nur als Songwriterin, sondern auch als Künstlerin hat Hailey Whitters in Gstaad überzeugt sympathisch, ehrlich, echt. Nach einem Set voller echter Countrymusic verabschiedet sie das Publikum ebenfalls mit einem tosenden Applaus und stehenden Ovationen.
Es folgt nun die große Pause. Hier hat man die Gelegenheit etwas zu essen und zu trinken, man kann Musikinstrumente bestaunen oder auch am CD-Stand Tonträger der anwesenden Stars erwerben.
Old Crow Medicine Show

Nun geht es weiter der der Old Crow Medicine Show. Diese Band kann man nicht beschreiben – man muss sie erleben. Schon mit dem ersten Takt kocht die Stimmung im Zelt über und kaum jemand sitzt noch auf seinem Stuhl. „Tell it to me“ ist der Opener der Band voller Multiinstrumentalisten, angeführt von Ketch Secor, der mit seinen Bandkollegen auf der Bühne herumfegt, tanzt und springt. Ja, die Spielfreude steht den Jungs ins Gesicht geschrieben und nach kürzester Zeit springt auch dieser Funke auf das Publikum im Galazelt über. Es ist wie eine riesige Geburtstagsparty, bei der jeder in der Band der Jubilar ist. Songs wie „Alabama High Test“ und “Stay all night” tragen essenziell zur Stimmung bei. Ihre Musik zu beschreiben ist nicht einfach. Man mischt einfach Rockabilly, Rock’n’roll, Bluegrass und Country, schüttelt es und heraus kommt die Old Crow Medicine Show. Frontmann Ketch Secor überrascht das Publikum, weil er auch deutsch spricht, und immer wieder Scherze darüber macht. Ihre Liebe zu der Schweiz manifestieren sie mit dem Lied „Matterhorn“, welches fast nur akustisch um ein Großmembranmikrofon dargeboten wird. Immer wieder wechseln die Musiker ihre Instrumente und jeder wird einmal Frontman der Band. So teilen sich PJ George, Mike Harris, Morgan Jahnig, Chance McCoy, Cory Younts mit Ketch Secor diese Position. Großen Beifall erntet auch ein Bühnenhelfer der Band, der meist den Kollegen ihre Instrumente anreicht, aber bisweilen auch auf dem Akkordeon mitspielt und natürlich mitsingt. Auch betritt er die Bühne, um mit einem Tambourstab atemberaubende Kunststücke zu zeigen. Für diese Aktion gibt es spontanen Zwischenapplaus. Auch haben sie sich kurzerhand die Fiddlerin von Hailey Whitters ausgeliehen, um etwas Westernswing mit drei Fiddles zu zeigen. Für die Livedarbietung in Gstaad haben sie noch einen besonderen Gast mit auf die Bühne geholt. Miss Helvetia aus der Schweiz betritt mit einer Schwyzerörgeli die Bühne und gesellt zu den anderen Musikern. Zusammen präsentieren sie den schweizer Mundart-Song Vogulisi (Vogel-Lisi) und auch hier beweist die Band sehr unterhaltsam, dass die auch andere Stilrichtungen im Portfolio haben. Selbstverständlich darf ihr Erfolgstitel „Wagon Wheel“ nicht auf der Setliste fehlen. Ein Song, bei dem einst Bob Dylan im Jahre 1973 nur den Refrain aufgenommen hat. 25 Jahre später hat Ketch Secor dann die Strophen dazu geschrieben und mit der Old Crow Medicine Show aufgenommen. Im April 2012 gab es dafür Platin. Mittlerweile wurde der Titel schon mehrmals aufgenommen, die bekannteste Version derzeit ist von Darius Rucker aus 2013. Für die Darbietung im Galazelt wird Miss Helvetia mit involviert, welche die Fiddlesolis einfach jodelt. Sensationell! Als Zugabe gibt es „Dixieland Delight“ zu hören und damit wird dieses Feuerwerk der guten Laune und tobenden Beifall und standing Ovations beendet.
Nach einen kurzen Umbaupause folgt nun das Grußwort des Veranstalters. Marcel Bach dankt den Sponsoren und übergibt kleine Geschenke.
Scotty McCreery

Jetzt ist es Zeit für den Headliner der Countrynight Gstaad. Der aus Garner, North Carolina stammende Scotty McCreery hat zwar einen schweren Stand nach so einem Act wie die Old Crow Medicine Show, überzeugt aber dennoch das Publikum mit seinem Charme und einer Setliste, die sämtliche seiner Hits beinhaltet. „Dont pass this bar“ erklingt als erstes und mit der Uptempo-Nummer knüpft er an seine Vorgänger an. Seine Band ist ebenso spielfreudig wie er selbst, somit springt der Funke schnell aufs das anwesende Publikum über. Scotty gibt sich bodenständig, als Familienmensch und auch gläubig. Viele seiner Songs hat er für oder über seine Familie geschrieben. Der Lieblingssong seiner Frau ist „It matters to her“, welchen er natürlich auch in Gstaad spielt. Auch „Cab in a solo“ erntet viel Beifall. Der Junge hat sich schon gemausert – vom American Idol-Sieger im Jahr 2011 bis zum Country-Superstar jetzt. Der Erfolg gibt ihm Recht. Mit seiner sonoren Stimme hat er damals nicht nur die Jury, sondern jetzt auch das Publikum im Galazelt in seinen Bann gezogen. Immer wieder erzählt er bei seinen Hits, was der Hintergrund ist. Als sein erster Sohn geboren wurde, hatte er die Idee zu „Love like this“. Die Vorlage zu „This is it“ hatte er, als er seine Frau Gabi einen Heiratsantrag machte. Grade diese Dinge machen den Künstler sympathisch und das Publikum honoriert es immer wieder mit viel Beifall. Eine kleine Hommage gab es auch an Tom Petty. „Won’t back down“ wird von Scotty und Band präsentiert. Dass er ein Kind des 90er-Country ist, beweist McCreery mit einem Medley an klassischen 90er-Hits. Von Alan Jackson bis Garth Brooks war alles dabei. Scotty bringt Songs wie „This is it“; „See you tonight“ und „You time“ in Perfektion, Immer wieder erzählt er von seiner Familie und Leute, die ihn geprägt haben. Sein Großvater war einer davon, leider ist er zu früh verstorben. Scotty wünschte sich so sehr, noch einmal mit ihm reden zu können. Daraus entstand die Idee zu dem emotionalen Titel „Five more minutes“. Natürlich wird auch sein Loblied auf den King of Country dargeboten. „Damn Strait“ nennt er sich, und nimmt den Einfluss von George Strait ironisch ein wenig aufs Korn. Sein aktueller Charthit „Bottle Rockets“ folgt gegen Ende seines Sets. Das Duett mit Darius Rucker muss in Gstaad leider ohne letzteren auskommen, was dem Beifall hinterher keinen Abbruch tut. Scotty und Band verabschieden sich mit einem gemeinsamen „Country Roads“, bei dem die Leute im gut gefüllten Galazelt eifrig mitsingen.
Fazit
Was als „Total Country!“ angekündigt wurde, hat sich als ein wundervolles Ereignis herausgestellt. Marcel Bach und sein Team haben wieder ein großartiges Line-up auf die Bühne im Berner Oberland gebracht. Für jeden war etwas dabei, egal ob man auf Classic Country, Bluegrass, Americana oder einfach nur Party steht – hier wurde man bedient. Wir freuen uns jetzt auf die Countrynight Gstaad 2026. Es wird bestimmt wieder sensationell.
Rainer M. Pech
für Countrymusic24.com
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