Country Night Gstaad 2026

Schon beim Betreten des Festivalgeländes ist klar: Hier geht es an diesem Wochenende nicht nur um Musik. Vor dem Festivalzelt trifft Westernromantik auf Schweizer Bergwelt, Cowboyhüte gehören ebenso zum Bild wie Stiefel und Jeans, und überall liegt diese besondere Mischung aus Vorfreude und Vertrautheit in der Luft. Marcel Bach und sein Team lädt am 11. und 12. September zur 37. Ausgabe der Country Night Gstaad und sie zeigt einmal mehr, wie unterschiedlich Countrymusik klingen kann.

Vier Top-Acts stehen auf dem Programm: die Schweizerin Amber Rae, der Texaner Drake Milligan, die Bluegrass-Formation The Appalachian Road Show und zum großen Finale der Headliner Dwight Yoakam. Vier Künstler beziehungsweise Formationen, die musikalisch weit auseinanderliegen und gerade deshalb einen spannenden Konzertabend ergeben.

Ein Schweizer Auftakt mit Amber Rae

Den Anfang macht Amber Rae. Die Winterthurer Sängerin und Songwriterin betritt mit ihrer Band die Bühne und bringt eine moderne, persönliche Seite des Country nach Gstaad. Ihre Musik klingt frisch und zugänglich, ohne die Wurzeln des Genres aus den Augen zu verlieren.

Amber Rae steht damit zugleich stellvertretend für die Schweizer Country-Szene. Country findet eben nicht nur irgendwo weit entfernt in Tennessee oder Texas statt. Er hat auch in der Schweiz seine Musikerinnen und Musiker – und mit Amber Rae bekommt diese Szene an der Country Night Gstaad eine sichtbare Bühne. Mit ihrem Debütalbum Cowgirl Goodbye, das 2024 erscheint, macht sie bereits auf sich aufmerksam. In Gstaad bekommt sie nun die Gelegenheit, ihr Publikum im großen Festivalzelt zu erreichen.

Amber Rae
Amber Rae

Ihr Set ist relativ kurz, aber voller Überraschungen. Mit „Right Time“ eröffnet sie die Country Night und definiert schon einmal die Richtung, in die ihre Musik geht. Gefühlvoll wird es bei „Homeless“ und mit „Redneck Woman“ wird ein Gretchen Wilson-Song dargeboten.

Amber führt in schweizerdeutsch durch ihr Programm und verkündet stolz, dass sie im Oktober 2026 bei den Texas Sounds International Country Music Awards in mehreren Kategorien nominiert ist. Dafür hat sie eigens den Song „Dreams the size of Texas“ geschrieben, mit dem sie bei den Awards in Texas die Schweiz vertreten wird.

Das Publikum honoriert ihre Darbietung mit tobendem Applaus und standing Ovations, mit denen ihr noch viel Glück bei den Awards in Texas mit auf den Weg gegeben werden.

Drake Milligan bringt Texas nach Gstaad

Nach dem Schweizer Auftakt wird es deutlich amerikanischer: Drake Milligan übernimmt die Bühne. Der Texaner gehört zur jüngeren Generation der Countrykünstler und verbindet traditionellen Country mit einer kräftigen Portion Rock’n’Roll. Dabei orientiert er sich musikalisch unter anderem an Größen wie George Strait und Elvis Presley.

In Gstaad zeigt Milligan, wie frisch klassischer Country heute klingen kann. Seine energiegeladene Bühnenpräsenz bringt Bewegung ins Zelt, und das Publikum reagiert mit viel Applaus, Mitsingen und Mitwippen. Besonders deutlich wird dabei, dass Milligan nicht versucht, Country neu zu erfinden, sondern die traditionellen Elemente mit jugendlicher Energie und Rock’n’Roll-Attitüde verbindet.

Drake Milligan
Drake Milligan

Mit „Over drinkin‘ under thinkin‘“ erklingt ein Song, der texanischer fast nicht sein könnte. Nicht zuletzt durch seine Band, die mit Fiddle und Pedal-Steel-Guitar den traditionellen Countrysound formen. Für das Intro zu „I got a problem“ gesellt Drake sich zu seinem Keyboarder und intoniert ein paar Zeilen des Patsy Cline Klassikers „Crazy“. In der Show am Freitag kommt ein Fan an die Bühne mit einer Nikolausmütze und einem Schild mit der Aufschrift „A cowgirl for christmas“. Kurzerhand wird der Weihnachtssong in die Setliste mit eingebaut. Voller Stolz verkündet Drake Milligan, dass er dieses Jahr auch für ein paar CMA-Awards nominiert ist. Mit „Dance in a lifetime“ erleben wir einen wunderschönen Walzer, den Drake bei seiner Premiere in der Grand Ole Opry schon gespielt hatte. Zur Freude des Publikums geht der sympathische Texaner von der Bühne ins Publikum. Dort werden Hände abgeklatscht und auch ein paar Autogramme geschrieben. Im Galazelt wird getanzt, geklatscht und mitgesungen. Spätestens jetzt ist auch der letzte Besucher im Country-Abend angekommen. Nach einem langen Schlussapplaus mit standing Ovations ist auch dieser Act zu Ende.

Appalachian Road Show – zurück zu den Wurzeln

Nach einer längeren Pause erleben wir einen musikalischen Wechsel – dargeboten von der Appalachian Road Show. Das hochkarätig besetzte Bluegrassensemble rund um Leadsänger und Banjospieler Barry Abernathy führt das Publikum tief in die musikalischen Wurzeln des amerikanischen Südens.

Banjo, akustische Gitarren und mehrstimmiger Gesang bestimmen das Klangbild. Bluegrass, Folk und Old-Time Music stehen im Mittelpunkt. Es ist Musik, die nicht von großen Effekten lebt, sondern von den Instrumenten, den Stimmen und der Geschichte, die in den Liedern steckt. Fünf Musiker und ein Großmembranmikrofon – mehr braucht man in dem Fall nicht. Die Musiker sind alle Meister ihres Fachs und brillieren mit virtuosen Solis und kristallklarem Harmoniegesang. Die Spielfreude steht den Künstlern ins Gesicht geschrieben und so dauert es nur wenige Sekunden, bis dieser Funke auf das Publikum im Galazelt überschwappt. Titel wie „Broken Bones“ und der Protestsong der Dixon Brothers „Sales Tax“, sowie das Instrumentalstück „Hell broke loose in Georgia“. Bei diesem Titel zeigte der Grammygewinner und Fiddler Jim VanCleve, warum er demnächst in die Fiddler Hall of Fame aufgenommen wird. Außerdem hat er vor der Show am Samstag in Gstaad noch geheiratet und präsentiert daher stolz seinen Ehering. Mit „Virginia Soldier“ geht es wieder etwas gemächlicher zu und der Walzer „Della Janes Heart“ rundet die Sache noch ab. Zum Endspurt gibt es den „La La Blues“, bei dem es auch den letzten im Publikum nicht mehr auf den Sitzen halten kann.

The Appalachian Roadshow
The Appalachian Roadshow

Nach dem modernen Country-Pop von Amber Rae und dem rockigen Country von Drake Milligan wirkt der Auftritt wie eine musikalische Reise zurück zu den Ursprüngen des Genres. The Appalachian Road Show zeigt, dass Country nicht nur ein moderner Musikstil ist, sondern auf einer langen Tradition amerikanischer Rootsmusik aufbaut. Das Publikum hat auch diesen Act mit großem Beifall und standing Ovations von der Bühne verabschiedet.

Dwight Yoakam sorgt für den großen Moment

Als Dwight Yoakam die Bühne betritt, bekommt der Abend noch einmal eine ganz besondere Dimension. Der US-Amerikaner ist nicht einfach nur der letzte Künstler des Programms. Er ist eine lebende Verbindung zur Geschichte der Country Night Gstaad.

34 Jahre sind vergangen, seit Yoakam erstmals in Gstaad auf der Bühne steht. Nun kehrt er zurück. Allein diese Tatsache sorgt für einen besonderen Moment. Viele im ausverkauften Galazelt kennen seine Musik seit Jahrzehnten, andere erleben ihn an diesem Abend vielleicht zum ersten Mal live.

Dwight Yoakam
Dwight Yoakam

Yoakam ist längst eine feste Größe der amerikanischen Countrymusik. Seit den 1980er-Jahren prägt er mit seinem charakteristischen Stil insbesondere den Bakersfield Sound und verbindet traditionelle Countryelemente mit einer unverwechselbaren Bühnenpräsenz. Songs wie „Guitars, Cadillacs“, „Little Sister“ und natürlich „Streets of Bakersfield“ gehören zu den bekanntesten Titlen seiner Karriere und alle werden sie dargeboten.

Die beiden Shows am Freitag und Samstag unterscheiden sich dennoch merklich voneinander. Am Freitag steht alles im Zeichen der kompletten Band. Pedal-Steel-Guitar, Fiddle, Mandoline und natürlich auch das Akkordeon kommen zum Einsatz. Samstag geht es eher in Richtung Unplugged-Session mit Barhockern und abgespecktem Instrumental. Die Setliste führt an beiden Tagen durch seine musikalischen Highlights und Charterfolge. „A thousand miles from nowhere“ und auch „Blame the vain“ wird vorgetragen. Das Publikum swingt mit zu „Pockets of a clown“ und mit „You’re the one“ präsentiert Dwight Yoakam einen sehr schönen Walzer auf der Bühne im Galazelt. Zum Ende wird es nochmal fetzig mit „Fast as you“, welchen der Künstler auch für sein Outplay benutzt.

Musikalisch gesehen sind beide Tage großartig. Lediglich die Stimme und die Gitarre von Dwight waren bisweilen viel zu laut und schrill, was den Gesamtsound nicht förderlich ist.

Fazit

Die Country Night Gstaad 2026 präsentiert Countrymusik in ihrer ganzen stilistischen Vielfalt. Vier Acts, vier unterschiedliche musikalische Perspektiven und doch ein gemeinsamer roter Faden: die Liebe zu authentischer amerikanischer Musik.

Von Amber Rae über Drake Milligan und The Appalachian Road Show bis zu Dwight Yoakam führt der Abend durch mehrere Generationen und Spielarten des Country. Besonders die Rückkehr Yoakams nach 34 Jahren verleiht der 37. Ausgabe einen historischen Moment. Gleichzeitig sorgen die jüngeren und aktuellen Künstler dafür, dass der Blick nicht nur zurück, sondern ebenso nach vorne gerichtet ist.

So zeigt Marcel Bach und die Country Night Gstaad 2026 eindrucksvoll, wie vielseitig Countrymusik sein kann – und warum das Festival seit Jahrzehnten einen festen Platz im europäischen Countrykalender besitzt.

Rainer M. Pech
für COUNTRYMUSIC24.COM

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Über Rainer M. Pech

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